- Bevölkerung
- Vegetarier und Nicht-Vegetarier

- Fleisch
- Tabus im Zusammenhang mit Essen und Trinken

- Der religiöse Wert der Nahrungsmittel

    

Bevölkerung
In Nepal lebt ein Völkergemisch mit sehr unterschiedlichen Religionen und damit auch sehr unterschiedlichen Eßgewohnheiten. Eine ältere Statistik gibt folgenden Überblick: 

Religion

Prozentualer Anteil

Eßgewohnheiten

Hindus

86,5

Vegetarisch und nicht vegetarisch

   a) Siavism

 

Vegetarisch und nicht vegetarisch

   b) Viashnavism

 

Vegetarisch

   c) Shaktas

 

Vegetarisch und nicht vegetarisch

Buddhisten

7,8

Vegetarisch und nicht vegetarisch

Islam

3,5

nicht vegetarisch

Jains

0,04

Vegetarisch

Christen

0,17

Vegetarisch und nicht vegetarisch

Kirantisten

1,72

Vegetarisch und nicht vegetarisch

Nicht zugeordnet

1,72

Vegetarisch und nicht vegetarisch

Sikhs

0,04

nicht vegetarisch

Grundsätzlich lassen sich zwei große Bevölkerungsgruppen einteilen: a) die Tibeto-Burmanischen und b) die Indisch-arischen Bevölkerungsanteile. Die tibeto-burmanischen Völker leben in den  Hochgebirgen und hohen Mittelgebirgen Nepals, während die indisch-arische Bevölkerung den Terai, also das dem Himalaya vorgelagerte Flachland bevölkern. Die einzelnen Volksgruppen sind außerhalb der großen Städte noch sehr traditionell und legen viel Wert auf ihre Traditionen einschließlich der verschiedenen Dialekte und Sprachen. Es gibt mehr als 36 verschiedene ethnische Gruppen und Kasten in Nepal.

Die Völker des Terai: Das Terai ist das niedrige Schwemmland im Süden von Nepal das von West nach Ost reicht. Es ist die Kornkammer Nepals. Das Klima ist tropisch. Weizen, Reis und Mais sind die Hauptgetreidearten. Alle Sorten von tropischen Gemüsen und Früchten wachsen hier. Die Hauptgruppen und Kasten sind: Brahmins, Tharus, Raibanshis, Satars, Dhimals, Dhangars, Danwars, Rajputs, Musalmans etc. Ihre Eßgewohnheiten unterscheiden sich von Gruppe zu Gruppe. Zu den Standard- Speisen im Terai gehört Reis, rahl dal (eine Linsensorte), Gemüse, Lamm und Fisch.

Die Völker des mittleren Berglandes: Diese Region liegt im Norden der Mahabharat Berge und umfasst die nach Nord-Süd und Ost-West verlaufenden Täler. Die Leute leben hier an höheren Hängen, Gebirgsausläufern und Bergrücken bis ca. 1250 m. Die bewässerten Talböden werden zum Anbau von Reis genutzt, während die Terrassenfelder an den Bergen u.a. für Mais, Weizen, Gerste und Bohnen genutzt wird. Zwei Täler sind besonders kennzeichnend: Das Kathmandu-Tal und das Pokhara-Tal. Das Klima ist mild.

Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind die Brahmins, Chhetris, Newars, Kiranties (Rais und Limbus), Tamangs, Magars, Gurungs, Thakalis. Auch hier sind die Essgewohnheiten sehr unterschiedlich. Auch hier ist Reis ein Grundnahrungsmittel, wie auch masko dal (Schwarze Bohnen), Gemüse und Lamm.

Die Völker des hohen Himalaya: Die Region liegt im nördlichen Teil des westlichen und Zentral-Nepals. Die Temperaturen sind sehr niedrig. Die wichtigesten Völker der Region sind die Sherpas, die vor allem durch den Berg-Tourismus bekannt wurden. Ihre Speisen und Getränke sind sehr speziell und einzigartig. Hier wird vor allem Mais, Buchweizen, Hirse und Weizen gegessen. Meist in gemahlener Form oder gekocht als Pfannkuchen mit Kartoffeln und manchmal Yak-Fleisch.

Nicht alle Früchte oder Gemüse sind das ganze Jahr über verfügbar, daher werden auch viele getrocknete Gemüse oder gundruk (fermentierte Gemüse, die als Pickle eingelegt und später getrocknet werden) hergestellt. Milchprodukte, die entweder fermentiert oder wie Quark hergestellt werden, sind im Teari sehr beliebt, in den Hochgebirgen aber kaum verfügbar. Rindfleisch wird in Nepal nicht gegessen. Die Newaris und andere ethnische Gruppen essen aber Büffelfleisch.

Manche Kasten und Gruppen sind sehr spezifisch in der Auswahl ihrer Lebensmittel: Die Brahmanen essen Ziegenfleisch, Lamm, Fisch, manche wilde Vögel aber im allegemeinen kein Geflügel. Die Chhetris lieben Hähnchen, Wildschwein, Ente usw. Die Tamangs und Gurungs essen Büffelfleisch und Geflügel. Die Magars, Limbus und Tharus essen Schweinefleisch. Die Rais und Limbus essen wiederum kein Lamm. Und die Tharus essen Feldratten, Tauben und Papageien.

Vegetarier und Nicht-Vegetarier

Sich vegetarisch zu ernähren ist ein uraltes hinduistisches Konzept. Nur von den Anhängern des Shakta-Kultes wird dieses Konzept nicht verfolgt. Insbesondere die orthodoxen Brahmanen und darunter die Vaishnavites (Anbeter von Vishnu, dem Erhalter) leben streng vegetarisch.
Die Anhänger von Shiva – dem Zerstörer – sind Nicht-Vergetarier. Die Anhänger des Shakta-Kultes (http://de.wikipedia.org/wiki/Shaktismus) oder die Menschen, die auch die dunklen Seiten der Gottheiten ehren, die dem großen Einfluß des Tantrismus geschuldet sind, opfen Tiere auf den Altären ihrer Gottheiten. In Nepal werden verschiedene Erscheinungsformen von Durga und Kali geehrt wie Dakshinkali, Guhekali, Chamunda, Bhairavi, Mahakali usw., die blut-dürstig sind und mit Tieropfern geehrt werden. Die geopferten Tiere werden dann von den Anhängern des Shakta Kultes gegessen. Geopfert werden im übrigen nur männliche Tiere.

Im Rahmen des 14-tägigen Dasain Festivals, welches als einer der wichtigsten Feste in den Monaten September/Oktober zu Ehren Gottheit Durga als Verkörperung von Shakti gefeiert wird, werden insbesondere am 8ten Tag (Hahasthmi-Tag) männliche Büffel, Ziegen, Schafe, Enten, Hühner usw. geschlachtet und Durga oder Kali gewidmet. Auf dem Königsplatz Durbar Square (Hanuman Dhoka) in Kathmandu werden als Teil dieses Zeremonie 108 Büffel (108 ist eine heilige Zahl) getötet. In dieser Zeit essen die Nepalesen daher sehr viel Fleisch in den vielfältigsten Formen und Zubereitungsarten. 

Fleisch

In Nepal ist man im allgemeinen Ziegen- oder Schaffleisch. Das Fleisch großer Tiere wie Pferde, Kamele oder auch Elefanten betrachtet man eher mit Ekel. An drei Tagen im Monat wird in Nepal kein Fleisch verkauft: einmal zu Neumond (aunsi), und am 11. (Ekadsi) Tag jeder 2 Wochen-Mondphase. Die Heiligen Tage von Ekadsi sind verbunden mit der Anbetung des Gottes Vishnu. Auch das Schlachten von Tieren an diesen Tagen ist verboten. Fleisch ist aber nicht nur an diesen Tagen ein religiöses Tabu, sondern auch im Februar/März (Falgun), zu Ramnauni, dem 9ten Tag der zunehmenden Mondphase im März, an Krihnashtami, dem 8ten Tag der abnehmenden Mondphase im August oder September und schließlich zu Baisakh Purnima, der Geburtstag von Buddha.    

Auch zwischen den verschiedenen Religionsgruppen gibt es Unterschiede im Fleischverzehr:

Ziegen, Büffel und Schweinefleisch werden von den meisten gegessen. Hühnchen werden sehr gern verspeist. Die Newaris, Magars und Tamangs essen sehr gern Büffelfleisch, währen die Chhetris und Gurungs es nicht essen. Manche Bramine essen zwar Fleisch aber kein Hühnchen. Dafür essen sie andere Vögel wie Fasane, wilde Hühner (Kalij) oder Wachteln (Chyakhuro). Die Brahime wollen nur einheimische Arten essen und keine eingeführten. Besonders die Newari essen gern Wildschweine. Auch Fisch wird von den meisten Nepalesen gern verzehrt. Manche Brahime essen nicht nur kein Fleisch, Fisch oder Eier, sondern auch keine Zwiebeln und Tomaten.

Das Opfern der Tiere ist eine sehr blutige Angelegenheit. Dazu auch ein interessanter Artikel der Welt Online.
Meist werden die Tiere durch Abtrennen der Köpfe getötet. Hierfür benutzen die Nepalesen den Khukri, den Nationaldolch. Dieser Dolch spielt im Leben eines Nepalesen von der Geburt bis zum Tod eine wichtige Rolle. Einige Bergvölker glauben, dass sie ein aus der Scheide gezogenen Khukri erst wieder einstecken können, wenn Blut geflossen ist. Zur Not wird dann ein Hähnchen oder eine Ente geschlachtet. Wem aber das zu teuer ist, ritzt sich mit dem Dolch selbst, so dass eigenes Blut fließt. 

Diesen Khukri habe ich mir aus Nepal mitgebracht:

In den Tibet angrenzenden Hochgebirgen Nepals leben auch Yaks. In Nepal soll es etwa 200.000 Yaks geben. Es sowohl wilde Yaks als auch domestizierte. Kastrierte Yaks werden als Pack- und Transporttier benutzt, die Wolle wird zur Herstellung von Kleidern und auch das Leder wird genutzt.  Yaks sind auch Quelle von Fleisch, Milch, Butter und Käse besonders in den rauen Gegenden, wo sonst keine Haustiere gehalten werden können. Das weibliche Yak wird Dri oder Nak genannt. Von den Bergvökern werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere geschlachtet. Ein männliches Tier bringt bis zu 250 kg auf die Waage, ein weibliches reichlich 200 kg. Manchmal werden die Yaks auch mit anderen Rindern gekreuzt und heißen dann Chauri Gai. (http://nfgrcnepal.blogspot.com/2007/07/yak-and-chauri-farming-in-nepal-by.html) . Sie können in Gegenden gehalten werden, wo aufgrund der Höhe Kühe nicht mehr gezüchtet werden können und wo es Yaks wegen der Wärme noch nicht gibt (2.000 …5.000 m).  

Ein Sadu beim Segnen eines kleinen Mädchens:

Tabus im Zusammenhang mit Essen und Trinken

Kühe

Das wichtigste Tabu ist die Kuh. Sie ist das National-Tier von Nepal, verkörpert Lord Vishnu und wird als Mutter verehrt. Das Schlachten von Kühen oder das Essen von Rindfleisch ist daher streng verboten. Bereits in heiligen Schriften der Hindus, den Puranas (http://de.wikipedia.org/wiki/Puranas) werden die Kühe als Mütter beschrieben. Für Hindus sind nicht nur die Kühe heilig, sondern auch die 5 mit ihnen verbundenen „Produkte“ (Panchagavya): Milch, Quark, Butter (Ghee), der Dung und der Urin der Kühe. Daher werden auch alte Kühe, die keine Milch mehr geben können, trotzdem nicht geschlachtet 

Schweine

Da es in Nepal etwa 3,5 % Muslime gibt, ist in diesen Bevölkerungsanteil das Essen von Schweinefleisch verboten. Die Muslime denken, dass bereits der Name des Schweines unrein ist.  

Grenzen des Kastensystems

Die Hindus im Nepal haben wie in Indien ein Kastensystem. Die nepalesischen Buddhisten glauben im Allgemeinen nicht an das Kastensystem, außer den buddhistischen Newaris. Es wird berichtet, dass davon  ca. 20% Unberührbare sind. Das gemeinsame, kastenübergreifende Essen insbesondere mit den Unberührbaren wird von orthodoxen Hindus als unvorstellbar betrachtet. Gerade in den ländlichen Gebieten ist das Kastendenken, trotz Schulbildung, noch immer sehr verbreitet. Selbst in Restaurants oder Tee-Stuben werden die Gläser für die Unberührbaren separat aufbewahrt und werden niemals mit der Hand serviert.

Der religiöse Wert der Nahrungsmittel

In Nepal werden die Speisen vom Glaubensstandpunkt her als sehr wichtig angesehen, insbesondere von den streng gläubigen Hindus. Die Hierarchie der verschiedenen Kasten und Sub-Kasten drücken sich in der Auswahl der Speisen aus, in der Art und Weise der Zubereitung und mit wem man speisen kann. So wird ein streng gläubiger Brahmane nie mit einem Nicht-Bramahnen Reis essen.

Auch das Fasten (vratas) ist ein wichtiger Aspekt im Leben der Nepalesen. Das reicht vom teilweisen Fasten bis zum kompletten Verzicht auf gekochte und  gesalzene Speisen. Besonders wichtige Fastentage sind der Ekadsi (11. Tag der 14-tägigen Mondphasen) und Purnima (Vollmond).

Auf der anderen Seite sind wichtige religiöse Feste auch mit größeren Feiern inkl. Essen und Trinken verbunden.  

In der hinduistischen Lehre werden drei unterschiedliche Kategorien von Lebensmitteln unterschieden, die jeweils bestimmte Eigenschaften haben:

1. Tamas :    Eigenschaften, die Wut, Neid, Trägheit oder Ermüdung erzeugen
2. Rajas : Eigenschaften, die sexuelle Leidenschaften hervorrufen und den Körper oder den Geist anregen.
3. Sattva :    Eigenschaften, die die Harmonie unterstützen und zur Erleuchtung des Geistes beitragen.

Nahrungsmittel können unter einen von diesen Gesichtpunkten eingeordnet werden, so zählt Chili als Rajas. Wurzelgemüse hingegen wird als Tamas eingeordnet, weil sie im Erdboden in völliger Dunkelheit heranwachsen. Gemüse und andere Nahrungsmittel, die überirdisch wachsen, werden als überwiegend Sattva eingeordnet. Die Hindus glauben an einen großen Einfluss der Lebensmittel auf den Menschen („Man ist was man isst“). Nach Auffassung der Hindu-Gelehrten muss die Nahrung ausgewogen sein, also nicht überwürzt. Auch soll man sicht nicht über Gebühr den Bauch vollschlagen, sondern nur so viel, wie zum Wohlbefinden notwendig ist. ¼ des Magens sollte daher stets frei bleiben.