Die Spanische Küche 

Wir waren zwar bisher schon ein paar Mal in Spanien, aber vorrangig zu kurzen Stadtbesuchen (Madrid, Barcelona). Etwas besser kennen wir die Kanarischen Inseln, denn dort haben wir 2009 und 2011 jeweils eine reichliche Woche Urlaub gemacht. Zuerst waren wir auf La Gomera und dann auf Gran Canaria. Daher soll zuerst auf die Besonderheiten der Küche der kanarischen Inseln eingegangen werden.

 

Mit einigen traditionellen Gerichten kommt man auch als Tourist in Berührung wie den vorzüglichen Fischgerichten oder den kanarischen Runzelkartoffeln. Die Spezialität der kanarischen Küche – dem Gofio – bekommt man als Tourist kaum vorgesetzt.

 

Der Gofio ist ein Mehl aus Getreide (vor allem Weizen, Mais und Gerste), das einzeln oder bereits vermischt geröstet und gemahlen wird. Zuweilen kommen auch Hülsenfrüchte wie z.B. Kichererbsen dazu (oder auch die im nördlichen Teil der Insel EI Hierro sehr beliebten Platterbsen oder Saubohnen), die ihm nicht nur einen kräftigeren Geschmack, sondern auch eine cremige Konsistenz verleihen. Die am weitesten verbreiteten Sorten sind der populäre Gofio de millo (millo ist Mais), Gofio de trigo (Weizen) und Gofio de cebada (Gerste). Sehr geschätzt ist auch der Gofio de mezcla, auch Gofio de tres cereales con garbanzos genannt; er besteht aus einem Gemisch der obigen drei Getreidesorten mit Kichererbsen.

 

Die Ursprünge des Gofio liegen im historischen Dunkeln. Seit Jahrtausenden wird er hergestellt und täglich verzehrt. Er kann ohne zu kochen sofort verzehrt werden und wird entweder mit Wasser, Brühe oder Öl angerührt oder auch als Bestandteil anderer Gerichte verwendet. Ursprünglich wurde er wohl nur aus Gerste hergestellt. Für die Herstellung des Gofio werden zuerst die Körner geröstet und dann gemahlen. Früher wurden beide Arbeitsgänge mühsam von Hand erledigt, dann wurden nach und nach mechanische (Windmühlen) und industrielle Methoden eingesetzt, wenn auch Eingeweihte sagen, nur das manuell geröstet und mit der Hand gemahlene Gofio das schmackhafteste ist. Im Übrigen ergeben sich viele Parallelen zum tibetischen Tsampa. Ursprünglich war der Gofio ein Arme-Leute-Essen, heute ist er im Zuge der Öko-Bewegung wieder in Mode gekommen und gilt mittlerweile als diätisches und gesundheitsförderndes Lebensmittel

 

Eine zweite Besonderheit sind die kanarischen Bananen (Plátano). Die Spanier brachten sie von Madagaskar mit, wohin sie aus Südostasien vor vielen Jahrhunderten gekommen war und pflanzten sie auf den Kanaren an. Anfang des 16.Jahrhundertes brachten dann die Portugiesen die Banane nach Amerika. Die plátano canarios ist ein spezielle Bananensorte, die etwas kleiner als die gängigen Sorten ist und vorzüglich schmeckt. Die karibischen Bananen reifen im Allgemeinen zum Sofortverzehr noch an der Staude und werden nicht bereits grün geerntet und dann nachgereift.

 

Im Übrigen sind die Kanaren auch der Ursprung des Zuckerrohr-Anbaus in Amerika. Im 15. und 16.Jahrhundert wurde das Zuckerrohr von Madeira eingeführt und erfolgreich auf den Kanaren angebaut. Von dort aus gelangte es dann Mittelamerika, wo es später wesentlich kostengünstiger angebaut werden konnte und den Markt in Europa bestimmte. Damit verlor auch der Zuckerrohranbau auf den kanarischen Inseln an Bedeutung. Geblieben sind aber einige Brennereien, die Rum destillieren. Besonders oft wird der Rum mit Honig gemischt – den Likör Ron Miel (20% Vol) findet man von diversen Herstellern in jedem Kiosk oder Andenkenladen.

Ron Miel    Ron Miel

 

Eine schmackhafte Variante der normalen Pell-Kartoffel sind die kanarischen Runzelkartoffeln. Dazu werden kleine bis mittelgroße Kartoffeln in sehr salzhaltigem Wasser (ursprünglich Meerwasser) gekocht und zum Schluss noch etwas trocken geröstet bis die Haut schrumpelt und runzelig wird. Einfach zu machen und sehr lecker ! Dazu gibt es normalerweise immer Mojos, das sind kalte, würzige Soßen. Meist eine grüne aus frischem Koriander bzw. Petersilie und eine rot aus Paprikaschoten. Mittlerweile gibt es eine Unmenge an Mojos-Varianten. Es gibt auch fertige Gewürzmischungen für Mojos, die man einfach nur mit Öl oder Wasser anrühren muss, aber für meinen Geschmack sind frisch zubereitete immer besser. In guten Supermärkten sind mittlerweile auch in Deutschland Gläser mit fertigen Mojos erhältlich.

Markt in Puerto de Morgan 

Auf den Kanarischen Inseln gibt es auch einige Brauereien, die verschiedene Sorten Bier brauen. Die Compañía Cervecera de Canarias wurde 1939 gegründet, aber erst im Juni 1948 konnte dann das erste Bier unter dem Markennamen „CCC“ abgefüllt werden, weil die in Deutschland gekauften Maschinen erst nach dem 2.Weltkrieg nach Teneriffa kamen. Der erste Braumeister war übrigens ein Deutscher. Später wurde das Bier in „Dorada“ umbenannt und unter diesen Namen wird es noch heute verkauft. Die Brauerei gehört jetzt zur SABMiller Group und hat eine zweite Braustätte auf Gran Canaria.
iDorada   Dorada   Dorada
Mittlerweil
e gibt es sogar eine Art Radler/Alsterwasser. Sie wird seit kurzem auf dem Festland unter den Name Shandy produziert:
Alsterwasser

 

Zu den Rezepten geht hier lang.

 

Kanarische Lebensmittel kann man auch online kaufen, z.B. bei :

www.kanarische-lebensart.net

www.koelnerrumkontor.de  (Rum und Rumlikör von den kanarischen Inseln)