Grillen und Zikaden

 

Was haben Grillen und Zikaden gemeinsam? Eigentlich nur, dass sie sechs Beine haben und für ihre gute Stimme bekannt sind. Beide sind als Snack im Orient beliebt, werden aber aus allen möglichen Gründen im Westen verabscheut. Nicht nur, weil die meisten Westler es ablehnen, irgendein Insekt zu essen, sondern weil ihnen bei einer Grille eine Menge kultureller Ballast in die Quere kommt. Schließlich ist Pinocchios bester Freund und sein verkörpertes Gewissen eine Grille und seit Jahrhunderten gilt eine im Haus oder in der Scheune zirpende Grille als Glücksbringer. Und für viele Menschen sind die Zikaden, die sich an Baumstämme klammern und während der Paarungszeit ein sirrendes Geräusch von sich geben, einfach zu unattraktiv zum Essen, ähneln sie doch großen Kakerlaken und werden bis zu zehn Zentimeter lang. Euro-Amerikaner essen nun einmal keine Zeichentrickfiguren, Glücksbringer und nichts, was wie eine Kakerlake aussieht.

 

Grillen sind viel kleiner als Zikaden; es gibt etwa 1500 Arten, die zwischen einem halben und fünf Zentimeter lang sind und alle übergroße Hinterbeine haben, die sich bestens zum Springen eignen. Meist singen sie gern an warmen, trockenen Orten (am liebsten im Kamin) und in vielen Kulturen, vorwiegend in China und Japan, halten Menschen Grillen in kleinen, kunstvoll gearbeiteten Käfigen als Haustiere.

Meist findet man Grillen in und bei Häusern, Scheunen und anderen Gebäuden. Und während manche Menschen sie für Schädlinge halten - sie sollen Seide, Wolle, Papier, Obst und Gemüse kauen oder beschädigen -, werden viele Grillen zu Hause wegen ihres Gesangs oder als Nahrung gehalten. Hier ein Vorschlag der Entomologischen Gesellschaft der Michigan! State University: »Man hält sie in einem großen Glasbehälter, der mit Fliegengitter zugedeckt ist. Auf den Boden gibt man eine fünf bis sechs Zentimeter hohe Schicht aus trockenem Sand und stellt drei flache Schälchen darauf. (Gut eignen sich Muschelschalen oder Marmeladenglasdeckel.) In eine Schale gibt man etwas Wasser und ein Wattebällchen, damit die Grillen nicht ertrinken. Feucht halten. In die zweite gibt man leicht feuchten Sand für die Eier. Auf die dritte Schale, nicht auf den Sand, legt man das Futter. Grillen essen fast alles, aber sehr kleine Nymphen lieben weiche Nahrung wie Banane, Apfel oder Salat. Für die größeren Grillen eignet sich trockenes Hundefutter. Für Verstecke etwas zerknülltes Papier hinzufügen. Schmutziges Futter wegwerfen und den Behälter gelegentlich säubern, damit sich kein Schimmel bildet.«

Früher wurden Grillen für Kämpfe gezüchtet, in China einst eine traditioneller Zeitvertreib und eine Spielleidenschaft. In einigen asiatischen Städten werden sie noch heute auf der Straße in Bambuskäfigen verkauft. Aber häufiger sammelt oder züchtet man sie als Nahrung. Philippinische Bauern überschwemmen Felder, um die Grillen zu fangen, wenn sie an der Wasseroberfläche auftauchen. Dann werden sie gekocht - sie gelangen sogar auf die Speisekarten von Restaurants. Auch in Thailand sind sie beliebter Snack. In Afrika wird die Grille aus Erdtunneln gefangen und über einem offenen Feuer geröstet.

Gefangene Grillen sollten lebendig im Kühlschrank aufbewahrt werden, dann werden ihre Bewegungen träger und sie lassen sich leichter waschen. Nachdem Sie sie trocken geröstet oder in einer Pfanne gebraten haben, können Sie ihnen vor dem Essen Beine und Flügel entfernen oder sie frittiert als Ganzes essen - außen knusprig, innen zart.

In der klassischen Insektenküche begegnet man den Grillen wahrscheinlich am häufigsten - an vorderster Stelle im ersten Insektenkochbuch, Entertaining with Insects (1992) von Ronald L. Taylor und Barbara J. Carter. Sie haben am heimischen Herd Rezepte getestet wie Knuspergrillen, Grillen auf indische Art, Grillenpastetchen Claremont, zirpende gefüllte Avocados, pikante Grillen-Avocado-Leckerbissen, Hüpferpizza, Grillentempura mit Gemüsen oder springender Melonensalat. Reste lassen sich am besten einfrieren.

Eine andere Art von Grillensnack wird von einer Firma in Texas vertrieben: der Cricket-Lick-It, ein durchsichtiger Lolli mit Creme-de-Menthe-Geschmack, der eine echte Grille enthält. Gesundheitsbewusste Esser sollten wissen, dass er keinen Zucker enthält.

 

Zikaden werden seltener gegessen. Es gibt 2000, meist tropische Arten, man trifft sie aber auch in gemäßigten Zonen an. Während der Paarungszeit im März und im April ist ihr Gezirpe in Japan oft so laut, dass es den Verkehrslärm übertönt. Selbst in Großstädten überziehen sie Baumstämme so dick, dass sie säckeweise geerntet werden können.

In ländlichen Gebieten ist das Fangen entspannter. Nach einem heftigen Nachmittagsregen zieht eine blaue Glühbirne bei Sonnenuntergang die großen Insekten im Flug an, die dann mit einem Netz gefangen werden. Die Männchen werden weggeworfen -wegen ihres etwas penetranten Geruchs - und die Weibchen können roh gegessen, gebraten, geschmort oder auf einem Bambusspießchen über einem offenen Feuer oder Grill geröstet werden. Häufiger werden sie gedünstet und nach dem Entfernen des harten Rückenpanzers werden sie wie ein Snack gegessen oder mit gekochten Gemüsen serviert. Das zarte, nussige Fleisch kann auch zerstoßen oder im Mixer mit gehackten roten Chilis, in Scheiben geschnittener Zwiebel, Knoblauch und genügend Zitronensaft zu einer dicken Paste vermischt und dann auf Crackers oder Brot gestrichen werden.

Zikaden gibt es manchmal in Zoohandlungen (gewöhnlich als Futter für Reptilien und Amphibien) sowie in Anglerläden. Sagen Sie einfach, Sie würden die Krabbeltiere für Ihre Schildkröte mitnehmen.

 

Eine zirpende Bereicherung auf den Speisekarten

PhnomPenh (Reuters)-
Die Bewohner der kambodschanischen Hauptstadt Phorn Penh lecken sich die Lippen angesichts einer lokalen Delikatesse: Grillen.

Die saisonale Invasion der Insekten, während des Vollmonds zu Beginn der Regenzeit, gilt als Goldgrube für Fänger und Verkäufer.

Langsam pirschen sich der 35-jährige Bun Vitha und sein 10-jähriger Sohn im Schein einer Straßenlampe an ihre Beute an. »Sie sind gut für uns, wissen Sie, und sie sind köstlich und nicht so billig auf dem Markt«, erklärt Bun Vutha.

Er versetzt einer Grille einen Schlag, liest sie behutsam auf und gibt sie in eine Flasche, die sein Sohn trägt. »Tut mir leid, Grille, aber du wurdest als Tier geboren,

und das ist die Nahrung für uns Menschen«, sagt er.

Uk Heang verkauft Grillen auf dem Zentralmarkt von Phnom Penh. Die 15-jährige Verkäuferin sagt, sie kaufe die Insekten von Grillenjägern, die auf dem Land rund um die Stadt arbeiten. Sie verkauft am Tag etwa 2500 Exemplare, was ihr rund 40000 Riel (12 Dollar) einbringt. Vier weitere Familienangehörige seien noch im Grillengeschäft.

Chhum Hirn, der mit ein paar Freunden ein Bier in einem Restaurant in der City trinkt, sagt, er sei ein großer Grillenfan - am liebsten leicht gegrillt mit einer Erdnuss im Leib. »Sie riechen köstlich, wenn sie richtig zubereitet werden«, erklärt er.

7. Juli 1998

 

Schokoladen-Grillen-Plätzchen

Klasse Mehl

1 Tl Backpulver

1 Tasse gesalzene Butter (Zimmertemperatur)

3/4 Tasse weißer Zucker

3/4 Tasse brauner Zucker

1  Tl Vanillemark

2 Eier

0,5 Tasse trocken geröstete Grillen

400 g Schokoladestreusel

1 Tasse gehackte Walnüsse

Den Backofen auf 190°C vorheizen. In einer kleinen Schüssel Mehl und Backpulver mischen, beiseite stellen. In einer großen Schüssel Butter, weißen und braunen Zucker und Vanillemark cremig schlagen. Die Eier dazugeben. Nach und nach die Mehlmischung und die Insekten gut unterrühren. Die Schokoladenstreusel dazugeben. Dann kleine Häufchen auf ein ungefettetes Backblech setzen. 8-10 Minuten backen.
 

Iowa State University, Dept. of Entomology