Seidenraupen

 

en: Silkworms

 

Die Raupe schmeckte wie Mais und ist ein rascher und leichter Snack für die Dorfbewohner Thailands, bei den Kindern beliebt und zuweilen zu gebratenen Gerichten mit Gemüsen hinzugefügt wurde. Selten werden sie weggeworfen, ja in Thailand, China und anderen Ländern, wo es eine Seidenindustrie gibt, sammelt man die Raupen, verkauft sie und isst sie gekocht, gedünstet, gebacken, gebraten oder geröstet, je nachdem, wie man es lokal oder individuell mag.

In China werden sie in Salz eingelegt oder in Wasser eingeweicht und mit Hühnereiern zu Omeletts zubereitet oder einfach mit Zwiebelwürfeln und einer dicken Sauce gebraten. In Thailand, wo das Gesundheitsministerium sie in eine Liste mit Zusatznahrungsmitteln für unterernährte Kinder und Vorschulkinder aufnahm, werden sie gebraten und zu einem groben Pulver gemahlen, das zu Curries und Suppen hinzugefügt wird. Südkorea exportiert sie in Dosen, die in Asienläden selbst in den USA erhältlich sind.

Heute gibt es - von Asien bis Italien - viele Länder mit Seidenraupenfarmen, aber vor ein paar hundert Jahren lag das Seidenraupenzentrum in China, wo -laut Marco Polo - die Raupe auf den Märkten in Hangzhoo verkauft wurde, der chinesischen Hauptstadt im Mittelalter. Später berichtete der französische Missionar Pere Favaud, er habe regelmäßig den Verzehr von Seidenraupenpuppen in China erlebt und sid daran beteiligt - sie seien (so zitiert ihn der Larousse Gastronomique) - »eine ausgezeichnete Magenmedizin ebenso kräftigend wie erfrischend, und oft ein erfolgreiches Heilmittel für Kranke«.

 

Gebratene Seidenraupen

Nachdem sie ihre Kokons gesponnen haben, röstet man eine gewisse Menge Raupen in einer Bratpfanne, so dass die wässrige Flüssigkeit verdunstet. Die äußere Schale lässt sich leicht entfernen, und darunter kommen kleine gelbe Kügelchen zum Vorschein, die Karpfenrogen ähneln.

Diese werden in Butter, Fett oder Öl gebraten und mit Brühe beträufelt. Nach etwa 5 Minuten werden sie mit einem Holzlöffel zerdrückt und sorgfältig umgerührt, damit nichts am Pfannenboden klebt. Man schlägt einige Eigelb (im Verhältnis 3 zu 100 Raupen) und gibt sie darüber. So erhält man eine herrlich goldgelbe Creme mit einem exquisitem Aroma. So wurde dieses Gericht für die Mandarine und andere Reiche zubereitet. Die Armen hingegen grillten die Raupen, entfernten die Außenschale, brieten sie in Butter oder Fett und würzten sie mit etwas Salz, Pfeffer oder Essig oder aßen sie einfach so mit Reis.

Pere Favaud