Jambo,

 

(das ist Suaheli und heißt „Hallo” oder „Guten Tag”)

 

Viele Jahre träumte ich davon, einmal den Kilimanjaro zu besteigen, nachdem ich in einem Film gesehen hatte, dass man das auch als Nicht-Bergsteiger schaffen kann. Hannes wollte diese Reise mit dem Besuch einiger National-Parks verbinden - wenn wir schon mal in Afrika sind - und eine Woche wollten wir uns in Sansibar ausruhen.
Aber es kam manches anders ...
 

 

Den Kilimanjaro bestiegen wir gemeinsam mit Inke Schmidt, Götz Prusas und Lutz Thierbach

(alle Dresdner bzw. ehemalige Dresdner)

 

Später kamen Steffen Tondera, André Wunsch (auch aus Dresden) und

Aziz Valiani (ein Kanadier mit indischen Wurzeln, der in Tansania aufgewachsen ist und mit einer Uganderin
verheiratet ist) zu unserer Gruppe.

 

Wir flogen über Amsterdam zum Kilimanjaro-Airport, wo wir gegen 20 Uhr Ortszeit landeten. Das hiesige Reiseunternehmen ZARA hatte einen Kleinbus geschickt, um uns abzuholen. Die Fahrt durch die Dunkelheit auf schlaglöcher-übersäten Straßen bis zum Springlands-Hotel fühlte sich schon sehr abenteuerlich an. Der Spaziergang, den wir am nächsten Tag in die Stadt Moshi unternahmen bestätigte die ersten Eindrücke nachhaltig.

 

         

 

Am Nachmittag packten wir dann endgültig unsere Ruck- und Seesäcke und am Morgen des 2. September 1999 ging es dann endlich los. Der gleiche kleine Bus brachte uns zum Marangu-Gate, das bereits 1.970 m hoch liegt. Hier lernten wir unsere Guides kennen: Makupa, Gerald und Apollo. Alle Namen unserer Gruppe wurden in ein dickes Buch eingetragen und die Träger übernahmen unser Gepäck. So hatte jeder nur seinen Tagesrucksack zu tragen.

 

Schnell noch ein Foto                    und dann liefen wir endlich los.

 

Wir hatten uns für die Marangu-Route - auch Coca-Cola-Route genannt - entschieden, da sie als die einfachste beschrieben war, denn wir wollten keinerlei Risiko eingehen und möglichst alle den Gipfel schaffen.

Der Weg stieg ständig leicht an und war von sehr unterschiedlicher Qualität. Quer durch die Regenwaldzone waren die Wege manchmal sehr matschig, aber meist sehr gut zu begehen.

 

                                   

 

 

 

      

   Gegen 15.30 Uhr hatten wir die knapp 1000 Höhenmeter
   geschafft und erreichten die Mandara-Hut.

 

 

   Wir bezogen zu je 4 Personen eine Art Finn-Hütte und
   bekamen in der Gemeinschaftshütte auf einem blauen Tischtuch
   ein leckeres Abendessen (Suppe, Spaghetti, Kartoffeln mit einer
   Rindfleisch-Gemüse-Soße).

 

 

 

 

 

 

Die ganze Nacht hat es geregnet, aber am Morgen
erwartete uns strahlender Sonnenschein.

 

Nach einem guten Frühstück mit Müsli, Rührei, Würstchen,
Gurken- und Tomatenscheiben starteten wir zur nächsten
Etappe - zur Horombo-Hütte in 3700 m Höhe.

 

 

 

 

 

 

 

   Leider zogen schnell wieder Wolken auf und wir hatten den
   „Kili” immer noch nicht zu Gesicht bekommen.


   Den ganzen Tag wanderten wir durch eine Vegetationszone

   mit riesigen Erika-Sträuchern, Koniferen und vielen Blumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während der Mittagsrast rissen ein bisschen die Wolken

auf - und dann sahen wir ihn zum ersten Mal:

unseren Berg - den Kilimanjaro !

Wir waren tief beeindruckt, aber er schien noch

unendlich weit weg zu sein.

 

 

 

 

 

 

   Bald verdichteten sich die Wolken wieder und wir stapften

   langsam weiter („Pole, pole” = langsam, langsam) und
   erreichten am Nachmittag die Horombo-Hütten.

   Wir unternahmen noch einen kleinen Spaziergang - 250 Höhen-

   meter höher - um uns besser zu akklimatisieren.

 

   Die Gemeinschaftshütte ist zum Abendbrot sehr überfüllt,

   denn hier treffen sich die "Aufsteiger", die "Akklimatisierer"

   und die "Absteiger". Aber wir bekommen wieder ein leckeres

   warmes Essen mit 3 Gängen.

 

 

 

Wir haben einigermaßen geschlafen, aber die Höhe macht sich schon irgendwie bemerkbar. Ich spüre genau, wo Herz,

Lunge und Magen liegen. Aber allen geht es gut.

 

Und wieder begrüßt uns der neue Tag mit strahlend blauem Himmel und einem sagenhaften Blick auf die unter uns

liegenden Wolken - wie aus einem Flugzeug.

 

          

 

Aber es ist bitterkalt und das Wasser am Becken eingefroren. Aber wir bekommen warmes Wasser zum Zähneputzen

und heißen Tee von Makupa - unserem Guide.

Die heutige Etappe steht ganz im Zeichen der Akklimatisierung an diese und höhere Höhen. Wir steigen über die Upper-

Route auf fast 4400 Meter. Mit winzig kleinen Schritten, sehr sehr langsam und immer auf die Atmung achtend (einmal

einatmen und dreimal ausatmen) erreichen wir gegen Mittag den Mawenzi-Sattel.

  

   Die Aussicht auf den Kili ist grandios und wir fotografieren

   und filmen wie die Wilden.

   Selbst wenn wir es nicht bis zum Gipfel schaffen sollten,

   dieser Blick hier war die Reise schon wert.

  

 

                         Gegenüber liegt der stark zerklüftete Mawenzi.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die nächste Nacht verlief sehr unruhig, denn

Aziz bekam Herzrasen und zitterte am ganzen

Körper, aber nach ein paar Beruhigungstabletten und

einer Tasse Tee ging es ihm wieder besser.

 

Der nächste Morgen war wieder sehr klar und kalt und wir brachen gegen 9 Uhr zu unserer vorletzten Bergetappe auf.

Es wird immer spannender. Wir fragen uns immer öfter: Werden wir es schaffen, diesen Berg zu bezwingen ?

 

 

 

Nach dem Last-Water-Point müssen wir „nur” noch die Kibo-Wüste durchqueren.

  

 

 

  Doch zuvor gibt es Lunch.

  In 4350 m Höhe wird wie jeden Tag unser blaues Tischtuch

  ausgebreitet und liebevoll durch unsere Guides gedeckt.

  Es gibt gekochte Eier, Toastbrot mit Käse-, Tomaten- und

  Gurkenscheiben.

 

  Und immer wieder gibt es Tee, Tee, Tee oder Wasser

  - man soll möglichst 6 Liter trinken, aber das schaffen wir

  nicht immer - das soll aber helfen, die Höhenkrankheit zu

  vermeiden.

 

 

 

 

 

 

 

Nacheinander erreichten wir am Nachmittag

die Kibo-Hütte in 4700 m. Wir waren ziemlich fertig,

aber keiner in unserer Gruppe fühlte sich krank.

Wir bekommen schon um 17.30 Uhr unser

Abendbrot und frieren still vor uns hin. Es ist bitter

kalt und keiner mag mehr viel sprechen.

 

Wir schlafen bzw. wachen in unseren Schlafsäcken

auf Doppelstock-Gestellen und warten, dass diese

Nacht endlich vorüber geht.

   

 

 

 

  Um 23.30 Uhr war es endlich soweit - wir durften aufstehen.

 

  Es hatte ein bisschen geschneit und die Landschaft sah aus, wie mit

  Puderzucker bestäubt. Erwartungsfroh machten wir uns startbereit.

  Wir hatten vorsichtshalber eine Aspirin geschluckt, dicke Jacken und

  Handschuhe angezogen, die Wanderstöcke im "Anschlag" und die

  Taschenlampen bereit. Gut beraten war Götz, denn er hatte als einziger

  eine Stirnlampe und damit die Hände frei.

 

  Um 0 Uhr liefen wir los - hintereinander, sozusagen im Gänsemarsch -

  die Frauen mit Makupa vorneweg.

 

  Die erste Pause machten wir in 5200 m Höhe an der Hans-Meyer-Höhle.

  Allen ging es nach kurzem Verschnaufen und etwas zu trinken wieder gut.

  Dann begannen die steilen Serpentinen, das Tempo wurde langsamer

  und die Abstände zwischen den Verschnaufpausen immer kürzer. Das

  Gehen fiel unheimlich schwer und jeder Schritt kostete Überwindung.

 

  Gegen 5.30 Uhr begann sich der Himmel rot zu färben und wir hatten noch

  einige Steine zu überklettern, um pünktlich zum Sonnenaufgang am

  Gilman's-Point zu sein. Wir mobilisierten unsere letzten Kräfte.

  Und wir schafften es !!! Alle !!!

 

 

Wir fielen uns um den Hals und die Mädchen weinten. Es war ein unglaubliches Gefühl, es bis hierher geschafft zu haben.

 

Und dann ging die Sonne auf!

 

 

Das Farbenspiel, das jetzt begann, war einfach grandios.

 

Wir erholten uns erstaunlich schnell und beschlossen alle, weiter zum eigentlichen Gipfel zu gehen. Doch die Erschöpfung

kehrte schnell zurück. Armin und Steffen kehrten um. Aziz, der Älteste unserer Gruppe, erreichte als erster den Gipfel -

ich als Letzte. Ich fragte mich die ganze Zeit, was ich mir hier eigentlich antue - alles tat weh. Aber als mir 2 Briten ent- gegen kamen und meinten, dass es nur noch „ten minutes” seien, raffte ich mich auf und schleppte mich die letzten Meter hinauf. Geschafft! Der Uhuru-Peak in 5895 m. Aber wirkliche Freude kam nicht auf. Es pfiff ein eisiger Wind und wir froren sehr.

 

 

Doch ein Gipfelfoto musste sein,

aber danach begannen wir schnellstmöglich den Rückweg - vorbei an wunderschönen Gletschern und Eisformationen.

 

 

 

Und noch ein Foto am Gilman's-Point - jetzt im Sonnenschein - und wir lächeln schon wieder.

 

 

Für den Abstieg zur Kibo-Hütte benötigten wir nur reichlich 2 Stunden. Wir drückten einfach die Hacken in den Geröllboden und rutschten so förmlich nach unten. Nur Lutz machte uns Sorgen, denn er konnte die Bewegungen seiner Beine nicht mehr koordinieren (soll auch eine Art Höhenkrankheit sein). Er wurde ab der Kibo-Hut auf einer fahrbaren Trage nach unten befördert. 2000 Höhenmeter weiter unten erholte er sich schnell.

 

Wir brachen nach dem Lunch in Richtung Horombo-Hütten auf. Gegen 16.30 Uhr kamen wir dort an und waren unglaublich erschöpft, aber sehr froh, nun keinen nach Rauch schmeckenden Tee mehr trinken zu müssen. Wir - auch die Frauen - tranken jetzt ein Bier auf unseren Gipfelsieg und schliefen danach 12 Stunden wie Steine.

 

 

 

Am nächsten Morgen starteten wir zur letzten Etappe: über die Mandara-Hut zum Marangu-Gate. Das war aber ein Kinderspiel und wir erreichten es gegen 15 Uhr. Hier gab es goldene Urkunden für die Gipfelstürmer und grüne Urkunden für Armin und Steffen, für die mit dem Erreichen des Gilman's-Point der Kilimanjaro auch als bestiegen galt.

 

Nach dem Verteilen der Trinkgelder an die Crew gab es zum Abschied das obligatorische Gruppenfoto.

 

 

 

Götz, Lutz und Inke flogen noch am gleichen Abend zurück nach Deutschland.

Für Armin, Steffen, Hannes und mich begann am übernächsten Tag ein neues Abenteuer - die Fotosafari.