Unsere Reise durch den Norden Indiens vom 29.09. – 22.10.2001

 

Unsere Stationen waren:

 

·         Delhi

·         Wüste Thar

·         Jaipur

·         Keoladeo Nationalpark Baratpur

·         Agra

·         Varanasi

·         Puri

·         Kalkutta

 

 

Es war ein sehr interessanter, aufregender und schöner Urlaub, aber gesundheitlich auch anstrengend. Indien ist das Land der absoluten Gegensätze und der freundlichsten Menschen, die wir je im Ausland kennengelernt haben. Und hier ist alles sooo anders als in Europa - man findet nichts Vergleichbares und trotzdem muß man dieses Land lieben.

 

Und wir waren angenehm überrascht, daß das indische Partner-Reiseunternehmen (SURYA Reisedienst Ltd.) alles wunderbar organisiert hat. Wir wurden überall pünktlich und zuverlässig abgeholt (auch nachts oder sonntags) und es gab nirgendwo eine Panne. Im Nachhinein erscheint uns das wie ein Wunder, nachdem wir mitbekommen haben, wie chaotisch es in diesem Land oft zugeht, vor allem was Behörden und den Straßenverkehr angeht.

 

 

Delhi

 

 

 

Nach 3 Tagen Delhi, wovon wir 2 Tage mit einem Guide durch die Stadt geführt wurden und einen Tag alleine unterwegs waren (abenteuerlich, weil wir abends in Old-Delhi von der Dunkelheit und Regen überrascht wurden und wir es nur einem pfiffigen Rikscha-Fahrer zu verdanken hatten, daß wir wohlbehalten wieder im Hotel angekommen sind!).

 

 

 

 

Wir fuhren danach abends mit dem Nachtzug nach Bikaner (Wüste Thar) und brauchten für die ca. 450 km über 11 Stunden!

Geschlafen haben wir kaum, aber wir hatten ein Abteil in der 1. Klasse für uns und so war das recht angenehm.


 

 

 

 

In Bikaner wohnten wir in einem ehemaligen Maharadscha-Haus und kamen uns wie im Märchen vor.

 


 

Abends lud uns unser Guide zu sich und seiner Familie nach Hause ein und nahm uns mit zu einer Geburtstagsparty.

 


Wir waren überwältigt von der Unkompliziertheit dieser Leute hier und waren natürlich die Sensation des Abends.

Wir tranken indischen Rum und bekamen ganz originale indische Küche serviert. Es war ein toller Abend.

 

 

 

Wüste Thar

 

 

Dann begannen wir unsere Kamel-Tour durch die Wüste.


 

Für 4 Tage und 3 Nächte gehörten uns je ein Kamel, ein Guide, ein Koch und 2 Musiker.

 

 

 

Wir zogen wie eine Karawane durch die Wüste, die hier allerdings noch kleine Sträucher und Bäume hat.

 

 

 

Die Sonne schien erbarmungslos (ca. 38°C im Schatten, nur leider hatten wir keinen Schatten!) und unsere Wasserflaschen hatten schnell auch diese Temperatur erreicht.

Die Luftfeuchtigkeit beträgt ca. 15 % und aller Schweiß verdunstet sofort, so daß man nach 2 Stunden innen und außen total ausgetrocknet ist. Das hat der Körper dann doch nicht so einfach weggesteckt und auch das ungewohnte Essen trug dazu bei, daß ich am 2. Tag und Hannes am 3. Tag schlimmen Durchfall bekamen. Wir schlugen uns damit viele Tage herum und aßen alle Durchfall-Tabletten auf. Hinzu kam bei mir ein Kreislaufkollaps, Muskelkater und wund gescheuerte Pobacken.

 


Trotzdem war alles ein tolles Erlebnis, was wir nicht missen wollen. Wir führten abends bei Kerzenschein, Vollmond und schwermütiger indischer Musik lange angeregte Gespräche mit unserer Crew und fanden uns gegenseitig sehr sympathisch.

 

Der Abschied ist uns allen sehr schwer gefallen und wir versprachen uns, zu schreiben.

 



 

 

Jaipur

 

in Jaipur besuchten wir den Palast der Winde

 


und Fort Amber

 

 

 

und wohnten in einem schönen Hotel, was uns wieder ein bisschen auf die Beine half.

 



 

 

Keoladeo Nationalpark

 


Anschließend erholten wir uns 3 Tage im Nationalpark von Bharatpur. Das ist ein riesiges Vogelparadies und wir haben dort eine unglaubliche Stille erlebt. Wir haben z.B. eine Bootstour noch vor 6 Uhr morgens unternommen, wo wir uns ins Paradies versetzt fühlten. Das hat uns unglaublich gut getan.

 

 


 

Agra

 

Von dort ging es mit dem Auto nach Agra. Wir besuchten auf dem Weg dorthin Fatehpur Sikri und später natürlich das Taj Mahal.

 

Wir kamen gegen 9 Uhr an und das Taj Mahal lag in einem unglaublich strahlenden Weiß vor strahlend blauem Himmel vor uns und ich verlor
etwas die Fassung.

 

 

Ich konnte es kaum glauben - so was Schönes hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ein Traum ganz aus weißem Marmor

 

Man muß dazu allerdings wissen, daß es ein muslimischer Bau ist (dafür wurden viele Hindi-Tempel abgerissen) und das Land

damals dadurch in den Ruin getrieben wurde.

 

 

 

Varanasi

 

Von Agra fuhren wir mit einem weiteren Nachtzug nach Varanasi. Hier mußten wir das Abteil mit einer Inderin und ihren 2 Kindern teilen, was aber kein Problem war.

Das Problem war hier, daß man vergessen hat, uns zu wecken und wir schon eine Stunde früher ankamen, als angekündigt war. So verließen wir in wilder Hektik den Zug und standen morgens um 4 Uhr auf dem Bahnsteig von Varanasi und wurden sofort mit dicken Schwärmen von verschiedenen Insekten umhüllt. Es war so grauenvoll eklig, denn diese Tierchen krochen in Nase, Ohren und Augen und wir retteten uns, um uns schlagend, in das bereitstehende Auto, daß uns zum Hotel brachte. Ich ekelte mich noch Stunden später.

 

Im Hotel bekamen wir einen Tee und schliefen noch mal 3 Stunden (das ist wohl nur in Indien möglich) und besuchten am Nachmittag nur einen buddhistischen Tempel.

 

 


 

Am nächsten Morgen wurden wir schon gegen 5.30 Uhr zur geplanten Bootstour auf dem Ganges abgeholt.

 


 

Na hier war ja was los. Schon der Weg durch die winzigen Gassen der Altstadt, wo Hunderte von Menschen dem Ganges zuströmten, war ein Erlebnis.

 

Wir wurden ein Stück stromaufwärts gepaddelt bis zum größten Verbrennungs-Ghat in Varanasi. Was wir dort und auf dem Weg dahin gesehen haben, läßt sich schwer mit Worten wiedergeben. Da standen Menschen halb oder ganz im Ganges, angezogen, halb angezogen oder nackt, wuschen sich oder schwammen ein Stück, beteten, meditierten, putzten sich mit kleinen Holzstöckchen die Zähne oder machten Jogaübungen (Kopfstand). Und dann ging über allem die Sonne auf. Diese Atmosphäre kann man unmöglich beschreiben.

 

 

 

Danach besichtigten wir in der Altstadt noch den goldenen Tempel, wo wir erstmals erfuhren, daß auch Hindus gewalttätig werden können, was eigentlich ganz gegen die Grundsätze des Hinduismus verstößt. Nebenan steht nämlich eine muslimische Moschee, die mit einer Mauer und Stacheldraht umzäumt ist und von starker Militärpräsenz bewacht wird, weil es ständig Übergriffe von Hindus auf Moslems gibt. Die Hindus hassen die Moslems abgrundtief.

 

Am Nachmittag besuchten wir noch ein paar Tempel und rüsteten abends zu unserer letzten anstrengenden Etappe - der Zugfahrt nach Puri am Golf von Bengalen.

 

Diese Fahrt sollte 20 Stunden dauern und es kamen noch 2 Stunden Verspätung dazu. Wir wissen bis heute nicht, warum unser Reiseveranstalter uns das angetan hat, denn es war eine Bestrafung. Wir waren zwar allein im Abteil, aber wir fuhren 2. Klasse und das heißt, daß es keine abschließbaren Türen gibt. Geschlafen habe ich so gut wie nicht.

 


Außerdem hatten wir nur eine Handvoll Bananen dabei. Es wurde auf den Bahnhöfen zwar Essen angeboten, aber von diesen fett-triefenden Teigbällchen aus schmutzigen Blechtöpfen wollten wir nichts essen. Unser Magen-Darm-Trakt war eh noch nicht in Ordnung, also hungerten wir ein bißchen. Insgesamt haben wir ca. 4 - 5 kg abgenommen, was aber nicht schlimm ist.

 

 

 

Puri

 

Als wir am späten Nachmittag endlich den Zug verlassen konnten, waren wir über das Hotel am Meer etwas entsetzt, denn es war voller Insekten und nicht besonders sauber.

 


Allerdings wurde am nächsten Tag alles in Ordnung gebracht und wir verlebten 4 wunderschöne, erholsame Tage - mit Schlafen, Essen, Schwimmen, Spaziergängen (wegen der Hitze und der Luftfeuchtigkeit von ca. 95 % allerdings nur vormittags) und 2 kleinen Ausflügen in die Umgebung.

 


 

Straßenkinder in Puri

 

 

 

Erotische Steinarbeiten am Konark-Tempel

 

 

Leider waren wir bis auf einen Abend ganz alleine in diesem Hotel, was zur Folge hatte, daß sich die Kellner im Restaurant regelrecht auf uns stürzten und kaum in Ruhe essen ließen. Die Küche war auch nicht besonders und wir begannen von Käsebrötchen und Schwarzbrot mit Leberwurst zu schwärmen.

 

 

 

Kalkutta

 

Am Sonntag morgen wurden wir dann zum Flughafen gebracht, wo wir über Kalkutta nach London und Köln nach Hause fliegen sollten. Es gab aber einen Aufenthalt von mehreren Stunden in Kalkutta, den wir zu einer kleinen Stadtrundfahrt nutzten, wo wir auch das Haus der Mutter Theresa besuchten.

 


Kalkutta war für uns eine echte Überraschung. Die Stadt ist lange nicht so schmutzig wie ihr Ruf und eine richtige Großstadt. Und die Slums sehen hier genau so aus, wie in anderen Städten.

 


Abends hatten wir noch ein schönes Erlebnis, denn im angrenzenden Garten des Hotels fand eine Tanzveranstaltung für Inder statt, zu der wir einfach so eingeladen wurden, weil wir hier die einzigen Ausländer waren. Hier waren Junge und Alte und ganze Familien zusammengekommen. Alle waren so freundlich, bestürmten uns mit Fragen und zogen mich einfach auf die Tanzfläche. Sie drückten mir 2 Stöckchen in die Hand und ich bekam gezeigt, wie man damit umgeht. Sie haben sich mächtig über mich amüsiert und wir sind von einem Reporter auch gefilmt und fotografiert worden. Aber alles war so ungezwungen und angenehm, daß wir gar nicht anders konnten, als mitzumachen.

 Am Montag morgen traten wir dann endgültig die Heimreise an und wir nahmen etwas wehmütig Abschied von diesem Land und von diesen vielen netten Leuten, die wir hier getroffen haben. Ich konnte mir gut vorstellen, noch weitere 3 Wochen hier zu verbringen und vielleicht weiter nach Süden zu reisen. Jetzt wo man sich an alles gewöhnt und der Körper sich angepaßt hat, mußten wir gehen. Schade!

 

 

 

Ich würde so gerne noch mal hierher fahren (wir haben auch schon eine Einladung von einem unserer Fahrer, der uns gerne in sein Dorf zu seiner Familie mitnehmen wollte - wir haben versprochen, wiederzukommen!), aber das wird wohl für lange ein Traum bleiben.

So bleibt eine tiefe Dankbarkeit, daß wir diese 24 wundervollen Tage haben durften und ich kann jedem Deutschen nur empfehlen, einmal in seinem Leben nach Indien zu fahren.

 

Namaste!